Das eine mit dem anderen lernen

Schreiben und Rollenspiel



Rollenspiel und Schriftstellerei ist in meinen Augen eine tolle Kombination. Und ich muss es ja wissen, als Rollenspielcharakter, der nun Hauptfigur in Büchern ist.

Ich konnte es auch von Anfang an bei meinem Chef verfolgen, an Alexander Bálly, wie er sich entwickelt hat ... vom Master zum Autor.

Ich kann nur jedem Schreiber raten, es auch mit dem Rollenspiel zu versuchen - und jedem Rollenspieler empfehlen, auch einmal das Schreiben zu probieren. Man macht mit etwas Glück bemerkenswerte Erfahrungen und lernt so dazu. ich denke, es kann ein weg sein, ein besserer Schreiber zu werden - oder ein besserer Rollenspieler.





Rollenspiel für Autoren

Im Pen&Paper-Rollenspielen verbinden sich Spiellust und Spontanität mit Erzählkultur. So könnt ihr als Autoren eine Menge über das Erzählen von Geschichten lehrnen, ohne dass man gleich ganze Romane verfassen muss.

Dazu muss man allerdings als Spielleiter spielen, denn die Mitspieler sind von den Vorbereitungen und der Planung der Geschichte ausgeschlossen. Eine Spielrunde zu mastern ist keine Kleinigkeit. Um eine Spielrunde leiten zu können, ist es vorteilhaft, zumindest sich eine Weile als Spieler mit den Regeln und Prinzipien des Spieles vertraut zu machen.


Gutes Plotten ist vermutlich das Erste, was ihr als Spielleiter lernen werdet. Auch wenn die Abenteuer meist nur in Stichpunkten skizziert werden, unterscheiden sie sich nicht sehr von den Plots von Erzählungen oder Romanen.

Rollespiele dienen oft als eine Art Plotlabor. Ihr könnt verschiedene Ideen  ausprobieren, ohne gleich Hunderte von Seiten zu schreiben. Im Spiel bekommt ihr sofort Feedback, was funktioniert und worauf die Spieler nicht oder nur widerwillig einsteigen. Wenn alle am Tisch bis zum Ende der Geschichte geschwitzt und gebangt haben, wenn das Ende des Abenteuers der Höhepunkt des Abends war, dann war es ein toller Plot.

So werden die Spieler werden Euch spüren lassen, was eine gute Geschichte ausmacht. Die Fähigkeit, gute, spannende Abenteuer zu entwerfen, könnt ihr fast 1:1 auf das Plotten übertragen.


Kantige Figuren zu entwerfen ist das Zweite, was ihr lernen werdet. Im Spiel müssen auch Nebenfiguren markant sein, damit man gut spielen kann und sie nicht vergisst oder verwechselt. Der Spielleiter spielt alle Nebenfiguren seiner Geschichte selbst und muss sie anschaulich darstellen können. Der Wirt darf nicht sprechen, wie der Schankknecht oder das Küchenmädel. Ihr werdet schnell merken, wie man lebendige Charaktere entwirft und darstellt.

Auch diese Fähigkeit könnt Ihr gut brauchen, wenn Sie eine Erzählung planen. Sie hilft Ihnen nicht nur die Romanfiguren zu entwerfen, sondern auch diese Figuren zu führen. Besonders bei Dialogen ist Rollenspielerfahrung sehr hilfreich.


Gute Dialoge dürfen weder gestelzt noch hölzern klingen. Wer beim Schreiben ganz in seine Figuren hineinschlüpft, ist zumindest ein Stück weit dagegen gefeiht. Denn genau das ist es ja, was ein Spielleiterden das ganze Spiel über macht, und zwar gleich mit einer Vielzahl von Figuren.


Mein Chef persönlich habe vom Rollenspielen sehr profitiert. Er ist mit mir der Meinung: Rollenspiel ist in vielfacher Hinsicht ein hervorragendes Training, um das eigene Schreiben zu verbessern. Und Spaß macht es auch noch!



Schreiben für Rollenspieler

Wenn ihr gerne Rollenspiele leitet, erzählt ihr dabei Geschichten. Wenn ihr es gut macht, dann fesseln Eure Geschichten die Spieler und faszinieren sie. Liegt es da nicht nahe, das Erzählen auch einmal auf eine andere Art zu versuchen, nicht so skizzenhaft und spontan, wie es im Rollenspiel sein muss? Ihr könntet Euch ja an einer Erzählung versuchen oder auch an einem Roman. Es ist eine Herausforderung … aber wenn man ein gute geschichte geschrieben hat, ist es ein großartiges Gefühl!

Vieles, was Ihr als Spielleiter gelernt habt, könnt ihr aufs creative writing übertragen. Ihr müsst nur Eure Spiel- und Fabulierlust mit der etwas solideren Erzählkultur der Schriftstellerei verbinden. Trotzdem seid ihr im Vorteil: Vieles, was Schreiber mühsam lernen müssen, habt ihr am Tisch schon spielerisch angewandt und könnt es mitnehmen ins Schreiben.


Ein Rollenspielabenteuer zu entwerfen ist zum Beispiel dem Plotten einer Geschichte sehr ähnlich, Spannungsaufbau und erzählerischen Rhythmus aus ruhigen und dramatischen Szenen kennt ihr auch schon von den Spielabenden. Die Charakterentwicklung für Romanfiguren ist zwar ein wenig anders als im Spiel, aber eine gewisse Verwandtschaft ist auch hier unverkennbar.

Dennoch ist Schriftstellerei eine ganz andere Kiste als einen Rollenspielabend zu planen - oder sogar eine Kampagne. Es erfordert mehr Fleiß, macht leider sehr viel mehr Arbeit und zwingt zu sehr viel mehr Exaktheit - im Großen und im Kleinen. Und das bezieht sich nicht nur aufs Schrieben selbst. Auch die Nacharbeit gehört dazu. 


Trotzdem lohnt es sich: Ein Buch zu schreiben ist eine sehr intensive Erfahrung. Es ist großartig und mit nichts zu vergleichen. Nicht einmal mit Rollenspiel. Aber geht es langsam an. Fangt besser klein! Auch wenn die großen Vorbilder riesige Epen schrieben, mit tausend Seiten oder mehr, zum Anfangen ist ein solches Werk eine wenig geeignete Wahl. Eine kleinere Erzählung, ähnlich einem komplexen Abenteuer ist schneller geschrieben, schneller überarbeitet und korrigiert als ein solches Großwerk.

Das sorgt für weniger Frustration. Und Frust und Verzweiflung gehören leider mit zum Schreiben dazu. Genau wie die Überwindung. Darüber hinaus kann ich nur raten, es einfach zu versuchen. Ich habe selbst gesehen, wie viel mein Chef vom Schreiben für sich gelernt hat und auch wieder viel für das Rollenspiel. Er ist dadurch ein besserer Master geworden. Früher musste er sich bei vielen Fragestellungen im Rollenspieloft auf sein Bauchgefühl verlassen. Inzwischen hat er ein besseres Verständnis für Geschichten und das Erzählhandwerk und kann dieses Wissen auch im Abenteuer anwenden.


Rollenspiel und Schreiben ... Ich finde, es ist eine tolle Ergänzung.